Klimafolgenanpassung

Klimaschutz & Klimawandel

Fachdient Umwelt
Klimafolgenanpassung

Poggenburger Str. 15, 26919 Brake

Sönke Hofmann
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E-Mail: soenke.hofmann@wesermarsch.de

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und nach Vereinbarung

Starkregen -

einfach wegspeichern

Es gibt zwei Herangehensweisen an das Thema Starkregen: Schutz vor Wasser und Speichern von Wasser. Beides hilft und ergänzt sich. Wir Menschen denken zunächst an uns selbst, daher will jede/r zuallererst das Hab und Gut schützen. Hierfür gibt es einige Hilfeseiten mit wertvollen Tipps rund ums Haus.

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Wenn jedoch alle ein bisschen Wasser speichern, brauchen wir viel weniger Schutz.
Gespeichertes Wasser flutet keine Keller!

Um Starkregen abzumildern und das Stadtklima zu verbessern sollten wir alle so viel Regenwasser wie möglich speichern. Das geht beispielsweise mit Zisternen und Tanks, mit begrünten Dächern und nicht zuletzt mit einem naturnahem Garten.

Fotos: LK Wesermarsch/S. Hofmann

Tipps zum Wasserspeichern

Wasser in Tanks und Zisternen

In einer flachen und wassergeprägten Landschaft wie der Wesermarsch entscheiden Zentimeter über trockene oder nasse Füße. Deshalb ist jede Speicherung von Regenwasser sinnvoll. Wenn sie dann in trockenen Zeiten auch noch dem Garten nützt oder bei der Toilettenspülung bares Geld spart, wird es doppelt sinnvoll.
Der Landkreis Wesermarsch fördert Regenwasserzisternen, unterirdische Tanks aus denen in Trockenzeiten bewässert werden kann.

Dafür gibt es 300 Euro pauschalen Zuschuss, wenn der Tank mindestens 1.800 Liter fasst. Solche Tanks gibt es bereits für unter 1.000 Euro, dazu kommen eventuell Bagger- und Installationskosten und eine Pumpe zum Bewässern.

Anspruchsvoller in Konstruktion und Einbau sind die Regenwassernutzungsanlagen, die der Landkreis Wesermarsch mit bis zu 5.000 Euro fördert. Dann kann man seine die Wäsche mit Regenwasser waschen oder die Toilette ohne Trinkwasser spülen.

Ein echter Dienst an der Allgemeinheit ist die Steuerung des Regenwassertanks. Sie erkennt, wenn die Wettervorhersage kräftigen Regen ankündigt und leert den Tank schon einige Stunden vorher. Das kann eine enorme Entlastung des Abwassersystems bedeuten. Der OOWV hat so ein Gerät entwickelt und bietet die Baupläne und die Software kostenlos an.

Grünes Dach hält das Wasser

Es geht aber auch viel einfacher – mit Nichtstun: Ein bemoostes Garagendach speichert schon einige Liter Wasser während blanke Teerpappe gar nichts zurückhält und dazu in der Sonne extrem heiß wird. Bastler lassen mit einer simplen Teichfolie und ein paar Eimern Erde schnell und preiswert ein Gründach auf dem Schuppen erblühen.

Ein professionelles extensives Gründach besteht aus wurzeldichten Bitumenbahnen, einem Schutzvlies, einer Speichermatte (meist eine Plastik-Noppenplatte mit Vertiefungen) und abschließend einer Filtermatte. Darauf kommen 5 bis 10 Zentimeter Erde und trockenresistente Pflanzen. Solche Dächer halten durchaus 20 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter zurück und wiegen dann um die 100 Kilogramm pro Quadratmeter. Das ist weit unter den statischen Sicherheitsvorgaben.

Eine aufkommende Birke oder Weide stirbt in einem Trockensommer zuverlässig ab. Außer gelegentlich die Abflüsse zu kontrollieren und zu säubern, braucht so ein extensives Gründach keinerlei Pflege. Die Pflanzendecke schützt die Dachhaut vor schnellen Temperaturwechseln. Deshalb halten professionell angelegte Gründächer weit länger, als normale Flachdächer.

Auch in Kombination mit einer PV-Anlage sind Gründächer eine gute Wahl: Statt Gehwegplatten befestigt Erdreich die Ständer der Solarmodule. Und als Bonbon produziert die PV-Anlage sogar rund 4 Prozent mehr Strom. Denn ein Gründach kühlt die Module, dadurch laufen diese effizienter.

Übrigens: Je dicker die Erdschicht wird, desto mehr Pflanzenarten können überleben. Allerdings stellt so ein Intensiv-Gründach auch höhere Ansprüche an Pflege und Unterkonstruktion.

Naturnaher Garten –
eine eierlegende Wollmilchsau

Die einheimische Tier- und Pflanzenwelt hat sich in Jahrtausenden aneinander angepasst und braucht sich sogar gegenseitig. So bietet sie eine enorme Fülle an Anpassungsfähigkeiten – da braucht es keinen Menschen, der es vermeintlich besser weiß. Mit einem naturnahen Garten speichern Sie nicht nur viel mehr Wasser als mit einem Rasen. Sie bieten auch einer Fülle an Tieren Lebensraum und Nahrung. So helfen Sie bei der Klimaanpassung und sind aktiv gegen das Artensterben.

Rasenflächen brauchen an Hitzetagen viel mehr Wasser als ein Staudenbeet. Oft sind sie nur noch „aus Gewohnheit“ da, niemand spielt mehr darauf. Am simpelsten ist es, den Rasen nur noch ein oder zwei Mal im Jahr zu mähen. Wer die Kanten zu Beeten und Wegen und die Laufpfade öfter mäht, schafft es, dass die neue Wildnis gar nicht unordentlich, sondern gewollt aussieht. Sie werden sich wundern, was alles an Blumen im Rasen schlummert und von selbst hochkommt: Gänseblümchen, Schafgarbe, Löwenzahn, Kriechender Günsel, Ferkelkraut oder Gundermann. Sie können auch mit gekaufter Natursaat oder Samen vom Wegesrand ihrem Naturrasen auf die Sprünge helfen.

Solcher „Wildwuchs“ ist zunächst ungewohnt, doch für die Natur und den Wasserhaushalt enorm wertvoll. Deshalb setzen Landkreis und Kommunen dieses Konzept auch auf öffentlichen Flächen um. Solche extensiv gepflegten Bereiche nehmen Regen besser auf und müssen nicht bewässert werden. Das sollte uns ein wenig Umgewöhnung wert sein.

Mit Stauden können Sie einen Klimagarten anlegen, der kaum Bewässerung braucht. Da blühen dann beispielsweise Glocken- und Flockenblumen, Wilde Karde, Natternkopf und Färberkamillen und für Schattenbeete gibt es auch genug Auswahl. Eine Sickermulde kann das Regenwasser auffangen und als Sumpfbeet dienen. Lassen Sie bloß die Bäume stehen – was im Herbst mit Laub ärgert, ist im Hitzesommer ein schattiger Segen! Wer nicht allein für Insekten, Igel und Kröten gärtnern will, pflanzt Obstgehölze. Ein paar Stachelbeeren zu naschen ist doch viel angenehmer als den Rasen zu mähen, oder?

Ähnlich wie beim „Gewohnheits-Rasen“ sind nicht nur häufig genutzte Einfahrten und Wege im Garten gepflastert. Oft sind auch selten genutzte Terrassen und Radstellplätze hochversiegelt. Hier kann kein Tropfen Regen versickern und wenig blühen. Wenn Sie sich beim Fugenkratzen über die viele Arbeit ärgern, schauen sie mal, wo die Gräser und Kräuter sprießen: Genau da, wo selten jemand läuft. Wie wäre es, hier die Platten hochzunehmen und lieber einen Laufrasen anzusäen? Eine tolle Maßnahme ist auch, den Stellplatz mit Rasengittersteinen statt Pflaster befahrbar zu halten. Sie sehen, es gibt viele günstige Möglichkeiten, den Garten klimafest, artenreich und aufnahmefähig für Regen zu machen!

Unabhängige Informationen zu
Dach- und Fassadenbegrünung stellt die Stadt Hamburg kostenlos zum Download bereit: