Kinderschutztage des Landkreises Wesermarsch bringen Fachleute zusammen
Mit rund 280 Teilnehmenden, sieben Veranstaltungen in acht Tagen und Beiträgen von zwölf Referentinnen und Referenten aus dem gesamten Bundesgebiet sind die Kinderschutztage 2026 im Landkreis Wesermarsch auf große Resonanz gestoßen. Die Veranstaltungsreihe, organisiert durch das Jugendamt, lief unter der Überschrift: „Im Kinderschutz eine Sprache sprechen.“
„Die Kinderschutztage haben Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen zusammengebracht und zu zentralen gemeinsamen Fragen des Kinderschutzes sowohl Informationen geliefert als auch Dialoge ermöglicht“, bilanziert Heidrun Laatz, Leiterin des Fachdienstes 51 – Jugend.
Die Bandbreite der Formate reichte von Fachtagen und Workshops über Online-Vorträge bis hin zu einem Symposium mit Podiumsdiskussion. Neben klassischen Themen wie körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt sowie Vernachlässigung standen auch aktuelle Fragestellungen im Fokus, etwa der Einfluss digitaler Medien, der Konsum von Vapes oder die Problematik weiblicher Genitalbeschneidung. Ermöglicht wurden die Kinderschutztage durch die enge fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Kreisverwaltung: Neben dem Jugendamt waren unter anderem das Gesundheitsamt, das Referat Teilhabe und Migration, das Frauenbüro sowie die Fachberatung Kindertagesstätten und die Kreisjugendpflege beteiligt.
Ein Höhepunkt war der stark nachgefragte Fachtag „Im Kinderschutz eine Sprache sprechen“ mit rund 125 Teilnehmenden. Als besonderer Gast referierte Prof. Dr. Jörg Maywald aus Berlin zu Kinderrechten im Kontext des Kinderschutzes. Auch die weiteren Veranstaltungen stießen auf großes Interesse und boten Raum für Austausch, Reflexion und Vernetzung.
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden unterstreichen den Erfolg der Veranstaltungsreihe: 96 Prozent bewerteten die Organisation als sehr gut, 83 Prozent würden erneut teilnehmen. Besonders geschätzt wurden die fachliche Qualität der Beiträge sowie die Möglichkeit zum interdisziplinären Austausch.
„Wir haben viele begeisterte Rückmeldungen erhalten und sind froh, den Kinderschutz damit umfänglich in den Mittelpunkt gestellt zu haben“, freut sich Organisatorin Kerstin Kreikenbohm über das Gelingen der Fachwoche.
Inhaltlich wurde deutlich, dass Kinderschutz stets ein sensibles Spannungsfeld bleibt. Einerseits gilt das grundgesetzlich verankerte Recht der Eltern auf Erziehung, andererseits besteht der staatliche Schutzauftrag bei Gefährdung des Kindeswohls. „Fachkräfte haben häufig hohe Erwartungen an die Qualität der Pflege und Erziehung von Kindern. Trotzdem müssen sie respektieren, wenn die Lebensumstände der Familien ihrem Empfinden nach nicht optimal sind“, erläutert Kerstin Kreikenbohm. Entscheidend sei, Eltern in schwierigen Situationen zu unterstützen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, wenn damit die Gefährdung des Kindeswohls noch abgewendet werden kann.
Ein zentrales Ergebnis der Kinderschutztage ist die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren im Kinderschutz. So wurde beispielsweise im Rahmen eines kollegialen Austauschs die Einrichtung eines gemeinsamen Qualitätszirkels angestoßen. Auch beim Symposium zum Schutzauftrag von Berufsgeheimnisträgerinnen und -trägern wurde deutlich, wie wichtig klare rechtliche Rahmenbedingungen und ein enger Austausch zwischen den Professionen sind.
Die positive Resonanz und die Tatsache, dass die Teilnehmenden nicht nur aus der Wesermarsch, sondern auch aus angrenzenden Regionen wie Friesland, Oldenburg, Bremen und darüber hinaus anreisten macht deutlich: „Der Bedarf von Fachkräften, sich in diesem Bereich fortzubilden und auszutauschen, ist offensichtlich sehr groß“, so Kreikenbohm.
Mit den Kinderschutztagen 2026 hat der Landkreis Wesermarsch ein starkes Zeichen für den Schutz von Kindern gesetzt – und zugleich die Grundlage für eine noch engere Zusammenarbeit im Sinne des Mottos geschaffen: Im Kinderschutz eine Sprache sprechen.

Foto: Wesermarsch/Sarah Kreikenbohm
Matthias Wenholt, Erster Kreisrat des Landkreises Wesermarsch, eröffnet vor den anwesenden Fachleuten die Kinderschutztage 2026.
Foto: Wesermarsch/Sarah Kreikenbohm
Organisatorin Kerstin Kreikenbohm im Gespräch mit Prof. Dr. Jörg Maywald.
Foto: Wesermarsch/Kerstin Kreikenbohm
Zum abschließenden Symposium kamen etliche Fachleute zusammen.



