Zweitägige Übung verbindet Planspiel mit Einsatz am „Haus am Bürgerpark“
Heftiger Dauerregen, steigende Wasserstände und ein längerfristiger Stromausfall – was wie ein Ernstfall klingt, war das Szenario einer zweitägigen groß angelegten Übung des Katastrophenschutzstabes des Landkreises. Im Mittelpunkt stand diesmal neben dem Planspiel auch ein praktischer Einsatz: die Evakuierung einer Seniorenresidenz.
Ausgangspunkt der Übung waren unwetterartige und anhaltende Regenfälle, die in Ovelgönne und Brake zu Überschwemmungen führten. Am Mündungsschöpfwerk des Käseburger Sieltiefs fielen die Pumpen aus, Gräben liefen über, Teile der Gemeinde und der Stadt waren über längere Zeit ohne Strom. Unter diesen Bedingungen galt es für den Katastrophenschutzstab, schnell und abgestimmt zu handeln: Entscheidungen treffen, Maßnahmen priorisieren und gemeinsam mit der Technischen Einsatzleitung zahlreiche Hilfs- und Rettungsorganisationen koordinieren.
Der Katastrophenschutzstab übt solche Lagen mehrfach im Jahr im Rahmen von Planspielen und unter externer Begleitung – in diesem Fall durch das Institut für Gefahrenabwehr (IfG). Trainer entwickeln das Szenario und beobachten die Entscheidungsprozesse. Beteiligt sind unter anderem die Feuerwehren, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das Technische Hilfswerk (THW), die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Einheiten der Bundeswehr sowie weitere Fachberater der Deichbände und der Polizei.
Am Dienstagabend wurde die Theorie gezielt durch einen Praxisteil ergänzt. Einsatzkräfte der Johanniter-Unfall-Hilfe übernahmen die Evakuierung der Seniorenresidenz „Haus am Bürgerpark“ in Ovelgönne. Unterstützt wurden sie vom Eigenbetrieb Rettungsdienst des Landkreises, der Feuerwehr Ovelgönne und von Statisten, die realitätsnah die Bewohnerinnen und Bewohner darstellten. Diese wurden im Anschluss in das Katastrophenschutzzelt des Landkreises nach Brake gebracht, wo sie von Einsatzkräften des DRK, der DLRG und des Malteser Hilfsdienstes empfangen wurden.
Ein besonderer Fokus lag auf den spezifischen Anforderungen bei der Evakuierung pflegebedürftiger Menschen. „Evakuierungen sind eine besondere Herausforderung, weil die Personen nicht nur registriert und transportiert werden müssen. Die Kräfte müssen unter anderem darauf achten, ob bestimmte Medikamente benötigt werden oder ob andere Bedürfnisse vorliegen, die beim gemeinsamen Transport mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern zu berücksichtigen sind“, so Oliver Buff von der Übungsleitung des IfG.
Die Übung griff damit ein zentrales Thema des Projekts „LifeGRID“ auf, das im Oktober 2023 gestartet ist und am 30. September 2027 endet. Zu den Vollpartnern gehören neben dem Landkreis die Jade Hochschule, der DRK-Kreisverband Wesermarsch, das Institut für Gefahrenabwehr, der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband, die Großleitstelle Oldenburger Land und die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V.
Ziel des Projekts ist es, Maßnahmen und Strategien für pflege- und hilfebedürftige Menschen zu entwickeln, die im Falle von Überschwemmungen oder längerfristigen Stromausfällen besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. „LifeGRID“ wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert und gemeinsam mit mehreren Vollpartnern umgesetzt. Zu den zahlreichen Aktionen dieses Projekts zählen die Entwicklung eines Pflegeregisters, die Erstellung einer Broschüre mit Tipps zur Vorbereitung auf mögliche Katastrophen, Bürgerbefragungen und der Hochwasserschutztag, der am 27. Juni wieder in Brake stattfinden wird.
Neben der Evakuierung wurde auch das Zusammenspiel der beteiligten Organisationen intensiv erprobt – mit dem Ziel, Abläufe weiter zu optimieren und im Ernstfall noch schneller und effizienter reagieren zu können. Matthias Wenholt, Erster Kreisrat und Leiter des Katastrophenschutzstabes, bilanzierte: „Unsere regelmäßigen Übungen zahlen sich aus. Das ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis. Denn im Kern geht es darum, dass alle Organisationen und Mitwirkende im Katastrophenschutzstab mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen ein gemeinsames Verständnis entwickeln. Dieses Ziel haben wir wieder erreicht.“
Für das Jahr 2027 kündigt Matthias Wenholt eine Großübung an. Dann werden Hilfs- und Rettungsorganisationen im Rahmen von LifeGRID Evakuierungen in Verbindung mit einem Blackout und Hochwasser üben.
Foto: Landkreis Wesermarsch/Meister
Einsatzkräfte der Johanniter Unfallhilfe, der Feuerwehr Ovelgönne und des Eigenbetriebs Rettungsdienst des Landkreises erprobten die Evakuierung der Seniorenresidenz „Haus am Bürgerpark“. Um den Tagesablauf der Einrichtung so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, halfen Statisten aus.

Foto: Landkreis Wesermarsch/Wittschieben
Ein Blick in den Katastrophenschutzstab: Hier werden im Ernstfall notwendige Maßnahmen und Entscheidungen zum Schutz der Bevölkerung getroffen.

