Wesermarsch nimmt Zukunftsprojekt von europäischem Rang in den Blick
Aus abgelagerten Reststoffen könnten künftig wieder wertvolle Rohstoffe werden: Im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft des Kreistags ist am Mittwoch (3. Juni) das Forschungsprojekt „PolyMetalHub Nordenham“ vorgestellt worden. Noch stehen die beteiligten Wissenschaftler der Universität Leoben, die Akteure der Zinkhütte in Nordenham sowie der Mayer Bergbau GmbH am Anfang. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Jarosit-haltiges Material der Zinkhütte aus der Deponie Galing 1 und der Altablagerung Rahden mit einem innovativen Verfahren aufbereitet und verwertet werden kann.
Das Projekt wird wissenschaftlich von der Montanuniversität Leoben begleitet. Vertreter der Universität in Österreich waren extra nach Brake gereist, um das Vorgehen zu erläutern. In einem ersten Schritt soll ergebnisoffen geprüft werden, ob das auf der Deponie Galing 1 abgelagerte Material für ein Recyclingverfahren geeignet ist. Die Deponie Galing 1 befindet sich im Eigentum des Landkreises Wesermarsch. Parallel soll derselbe Forschungsansatz auch für die Altablagerung Rahden verfolgt werden, welche zu Glencore Nordenham gehört.
Für die Wesermarsch geht es um weit mehr als um ein Forschungsprojekt. „Sollte sich die technische und wirtschaftliche Machbarkeit bestätigen, könnte daraus eines der bedeutendsten Zukunftsprojekte der Region entstehen: mit neuer industrieller Wertschöpfung, qualifizierten Arbeitsplätzen, einem Beitrag zur europäischen Rohstoffsicherung und einer Perspektive, bestehende Deponieinhalte wieder in den Stoffkreislauf zurückzuführen“, erklärte Dr. Friedrich von Lyncker von der Mayer Bergbau GmbH. Dr. Günter Halle von Glencore Nordenham pflichtete bei: „Dieses Vorhaben ist wegweisend. Wir betreten damit neues Terrain und gehen einen wichtigen Schritt, unsere industrielle Kompetenz mit starken Partnern auszubauen und Stoffe aus unserer Produktion zukünftig vollständig weiter zu verwerten.“
Nach der im Ausschuss vorgestellten Planung ist im Herbst 2026 eine Beprobung vorgesehen. Dabei sollen unter fachlicher Begleitung insgesamt neun Bohrungen durchgeführt, Proben entnommen und anschließend analytisch untersucht werden. Die Eingriffe in die Deponieabdeckung sollen nach den geltenden fachlichen Anforderungen erfolgen; Abdichtung und Rekultivierungsschicht werden anschließend wiederhergestellt.
Das mögliche Verfahren sieht vor, das Material zunächst aufzubereiten und anschließend thermisch zu behandeln. Ziel wäre eine möglichst vollständige Verwertung. Als mögliche Produkte wurden in der Präsentation unter anderem Zinkoxid, Blei, Sand und Gips genannt. Die Perspektive ist groß: Die Wissenschaftler skizzierten für die kommenden Jahre ein mögliches Recycling von 1 bis 2 Millionen Tonnen Deponieinhalt. Außerdem stehen 70 bis 150 qualifizierte neue Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung, die Nutzung innerbetrieblicher Abwärme und der Verzicht auf neue Deponien als Zielbild im Raum.
Prof. Dr. Stefan Steinlechner und Prof. Dr. Jürgen Antrekowitsch von der Montanuniversität hoben hervor: „Das Projekt steht am Anfang und wird Schritt für Schritt bewertet. Auf die Probenahme und erste Kleinversuche könnten Großversuche, Anlagenplanung, Genehmigungsverfahren sowie später Bau und Inbetriebnahme folgen. Nach jeder Phase soll neu entschieden werden, ob und wie das Projekt fortgesetzt wird.“
„Die Wesermarsch hat die Chance, bei einem zentralen Zukunftsthema sichtbar zu werden: Rohstoffe sichern, Deponien entlasten, Industrie weiterentwickeln und Klima- sowie Ressourcenschutz zusammendenken. Genau deshalb werden wir dieses Projekt aufmerksam, fachlich sorgfältig und mit Blick auf die Chancen für die Region begleiten“, erklärte Matthias Wenholt, zuständiger Dezernent und Erster Kreisrat.

