Sechs weiterführende Schulen stellten Ergebnisse im Braker Kreishaus vor
Die neuen Medien und Social Media-Plattformen stecken voller Risiken. Gewaltvideos, Anfeindungen, sexuelle Belästigung und Mobbing stellen vor allem für jüngere Schülerinnen und Schüler eine echte Gefahr dar. Das belegen auch Ergebnisse eines Projekts, an dem sich sechs Schulen aus der Wesermarsch beteiligt haben. Ihre Arbeiten stellten sie am Mittwoch im Braker Kreishaus vor. Die Erkenntnis: Die Aufklärung von Kindern und Jugendlichen muss so früh wie möglich ansetzen. Und vor allem sind Eltern gefordert, mehr zum Schutz ihrer Kinder beizutragen.
„Ob Beleidigungen per Chat, das Verbreiten peinlicher Bilder oder der Ausschluss aus Gruppen – digitale Gewalt trifft oft still, aber hart“, sagte Kreisrätin Sindy Nestler bei der Begrüßung von rund 20 Jugendlichen, die mit ihren Lehrkräften, Schulsozialarbeitern und Schulleitungen ins Braker Kreishaus gekommen waren. Das Bildungsbüro, das Jugendamt und das Referat für Gleichstellungsfragen hatten 16 weiterführende Schulen aus der Wesermarsch ermuntert, sich in Projekten mit dem Thema „Digitale Gewalt“ auseinanderzusetzen. Dem Aufruf gefolgt waren die Oberschulen aus Elsfleth, Rodenkirchen, Jade und Luisenhof in Nordenham sowie die Schule am Siel und die IGS Brake.
Wo hören Meinungsverschiedenheiten auf und wo fängt Mobbing an? Das war eine der Fragen, der die Schulen auf ganz unterschiedliche Weise nachgegangen sind. Während sich die OBS Jade dem Thema über ein Theaterstück genähert hat, zog die OBS Rodenkirchen einen ehemaligen Präventionspolizisten zu Rate. Fach- und Lehrkräfte berichteten im Kreishaus übereinstimmend, dass vor allem Gruppenchats auf WhatsApp ein Riesenproblem darstellen. Dies gilt insbesondere für Kinder, die mit dem Übergang von der Grund- zur weiterführenden Schule oft ihr erstes Handy bekommen.
Dies deckt sich auch mit Zahlen, die durch einen Fragebogen an der OBS in Rodenkirchen erhoben wurden. Gemeinsam mit den Jugendlichen wurde ein Fragebogen entwickelt, den 101 Schülerinnen und Schüler beantwortet haben. Demnach nutzen 93 Prozent der Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse ein Smartphone, 96 der 101 befragten Jugendlichen verwenden WhatsApp. 36 Prozent der befragten Kinder haben schon einmal Gewaltvideos zu sehen bekommen, in denen unter anderem Überfälle oder Tierquälerei dargestellt wurden. Und 25 Kinder gaben zu Protokoll, dass sie in den neuen Medien mit Mobbing zu tun hatten.
Sindy Nestler würdigte das Engagement der Schülerinnen und Schüler und ihrer Lehrkräfte: „Was ihr erarbeitet habt, ist mehr als ein Schulprojekt. Es ist ein Zeichen dafür, dass ihr Verantwortung übernehmt – füreinander und für eine bessere digitale Kultur. Und es ist ein starkes Signal an uns Erwachsene, euch dabei ernst zu nehmen und zu unterstützen. Eure Ergebnisse sind von höchstem Wert und zeigen, wo wir Erwachsene ansetzen sollten.“