Neben „Blackout“ und „Überschwemmung“ erwies sich die Hitze als Herausforderung

Dass Krisenvorsorge längst nicht nur Hochwasser und Stromausfälle umfasst, zeigte sich ausgerechnet am Hochwasserschutztag selbst: Bei Temperaturen von deutlich über 30 Grad waren Erfrischungen und schattige Plätze am Sonnabend (27.06.) besonders gefragt. Rund 120 Aktive von Hilfs- und Rettungsorganisationen, Verbänden und Unternehmen stellten in Brake auf dem Gelände des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) und an der Kaje schwitzend fest: Auch anhaltende Hitzeperioden gehören zunehmend zu den Herausforderungen, auf die sich die Bevölkerung und Einsatzkräfte einstellen müssen. Die Veranstaltung endete hitzebedingt um 14.00 Uhr und somit deutlich früher als geplant.

Dabei lag der Themenschwerpunkt des Hochwasserschutztags auf Maßnahmen zum Schutz von pflege- und hilfebedürftige Menschen in Krisenlagen wie sie durch Hochwasser und längere Stromausfälle entstehen können. Fachleute informierten in Vorträgen, Workshops, Mitmach-Aktionen und einer Podiumsdiskussion über Maßnahmen, die jeder selber zu Hause für den Ernstfall treffen kann. Firmen und Organisationen präsentierten Möglichkeiten der Notstromversorgung, erklärten die Funktionen von Warn-Apps, gaben Tipps zur Starkregenvorsorge und informierten über das neue Pflegeregister, in das sich Besucherinnen und Besucher direkt vor Ort eintragen lassen konnten. Darüber hinaus gab es praktische Tipps zur Eigenvorsorge und einen neuen kostenlosen Vorsorgeratgeber mit Checklisten für den Ernstfall.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Landrat Stephan Siefken. Er betonte die Bedeutung einer umfassenden Vorbereitung auf außergewöhnliche Ereignisse: „Katastrophenvorsorge ist kein Thema für einen einzelnen Aktionstag. Sie ist eine Daueraufgabe. Eine Aufgabe, die uns alle betrifft – Behörden und Organisationen ebenso wie Familien, Nachbarschaften, Pflegeeinrichtungen und jeden einzelnen Haushalt.“

Ein besonderer Schwerpunkt des Aktionstags war die Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Pflege, Katastrophenschutz und Sozialwesen. Dr. Jutta
Freymuth (Bezirksverband Oldenburg), Prof. Peter Bradl (Institut Rettungswesen, Notfall- und Katastrophenmanagement), Jürgen Schreiber (ehem. Generalssekretär der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin), Jan Hoffmann (Geschäftsführer Sozialverband Wesermarsch/Ammerland) und Dr. Gesa Schirrmacher (Nds. Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung) diskutierten über Herausforderungen und Möglichkeiten des Katastrophenschutzes mit Fokus auf den Bereich der Pflege in stationären Einrichtungen und im privaten Umfeld. Dabei wurde deutlich, wie wichtig die enge Zusammenarbeit von Kommunen, Hilfsorganisationen, Pflegeeinrichtungen und Behörden ist, um auf Krisenlagen vorbereitet zu sein. So beispielsweise auf der Ebene des Krisenmanagements und bei der Abstimmung von bereits vorhandenen Notfallplänen aufeinander.

Neben den fachlichen Angeboten präsentierten zahlreiche Organisationen ihre Arbeit und Einsatztechnik. Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter Unfallhilfe, DLRG, Polizei, Wasserschutzpolizei, Rettungsdienst, Braker Sielacht, Jade Hochschule und weitere Akteure gaben Einblicke in ihre Aufgaben und standen für Gespräche zur Verfügung. Reanimationstraining, die Aktion „Open Ship“ der Wasserschutzpolizei, Kinderkino, Hüpfburg und der „Spielefant“ sorgten für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm.

Organisiert wurde der Hochwasserschutztag im Rahmen des Forschungsprojekts LifeGRID, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert wird. Ziel des Projekts ist es, Maßnahmen und Strategien zum Schutz von pflege- und hilfebedürftigen Menschen bei Hochwasserlagen oder länger andauernden Stromausfällen zu entwickeln.

Trotz schwieriger Wetterbedingungen zog es einige Besucherinnen und Besucher auf das Veranstaltungsgelände. „Ein solcher Tag lebt von den Menschen, die ihn mit Herzblut vorbereiten und begleiten. Dafür gilt allen Organisatorinnen und Organisatoren sowie den vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helferinnen und Helfern mein herzlicher Dank. Ihr Einsatz war hervorragend – unabhängig davon, wie viele Besucher am Ende den Weg zu uns gefunden haben“, sagte Matthias Wenholt, LifeGRID-Projektkoordinator und Erster Kreisrat des Landkreises Wesermarsch.

LifeGRID
Der Landkreis Wesermarsch, die Jade Hochschule, das Deutsche Rote Kreuz, das Institut für Gefahrenabwehr, die Großleitstelle Oldenburg-Land, der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband sowie die Landesvereinigung für Gesundheit und die Akademie für Sozialmedizin setzen gemeinsam ein integriertes Strategiekonzept zur Rettung und Versorgung besonders verletzbarer Personengruppen in flut- und energiekritischen Gefährdungssituationen um. Im Zentrum des Projektes steht die gemeinsam angelegte Resilienzförderung und Sensibilisierung der Bevölkerung in der Modellregion Wesermarsch. Weitere Ziele sind, die stationären Pflegeeinrichtungen zu ertüchtigen und die Pflegefachkräfte zu qualifizieren sowie die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben einzubeziehen.
Das Projekt wird vom Landkreis koordiniert und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) bis zum 30. September 2027 gefördert. Weitere Informationen: www.lifegrid.de

Fotos: Landkreis/Meister

Landrat Stephan Siefken eröffnete den Hochwasserschutztag, den rund 120 Helferinnen und Helfer auf die Beine gestellt hatten.

Unter der Moderation von Matthias Wenholt (LifeGRID-Koordinator und Erster Kreisrat) diskutierten Jürgen Schreiber, Dr. Jutta Freymuth, Dr. Gesa Schirrmacher, Prof. Peter Bradl und Jan Hoffmann in einer Podiumsdiskussion (v. l.) über Vorbereitungen und Maßnahmen in Katastrophenfällen.

Kaya Kramer, Auszubildende des Rettungsdienstes, erläutert Kindern die Ausstattung eines Rettungswagens.

Kleine Gewinne lockten beim Glücksrad der Johanniter Unfallhilfe.