Seit 25 Jahren niederschwellige und regionale EU-Förderung
Einen echten Grund zum Feiern gab es am Mittwoch im Gasthof „Der König von Griechenland“ in Ovelgönne. Vor 25 Jahren wurde am selben Ort die Lokale Aktionsgruppe (LAG) „Wesermarsch in Bewegung“ im Rahmen des europäischen LEADER-Programms aus der Taufe gehoben. Nun versammelten sich große Teile der am Abend viel beschworenen „LEADER-Familie“, um auf die Erfolge des vergangenen Vierteljahrhunderts zurückzuschauen und zugleich den Blick in die Zukunft zu richten.
„Wir haben in den Jahren viel für die Wesermarsch erreicht“, weiß Meike Lücke, Leiterin des LEADER-Regionalmanagement im Kreishaus. „Es sind knapp 20 Millionen EU-Mittel in unseren Landkreis geflossen, mit denen insgesamt 150 Projekte unterstützt werden konnten.“
Als Beispiele nennt sie die Melkhüs in der Wesermarsch, die sie als Pionierleistung der Landfrauen beschreibt. Zehn Melkhüs wurden damals entlang der Sielroute eröffnet. Manche davon gibt es mittlerweile zwar nicht mehr, doch andere wurden mit Hochzeitsscheunen weiterentwickelt. 2006 wurde die Idee zu den 100 Best-Practice-LEADER-Projekten in ganz Deutschland gezählt. In Deutschland gibt es in den typischen Milchregionen inzwischen mehrere hundert Melkhüs, die auf der Idee aus der Wesermarsch basieren.
Erwähnenswert ist auch die Rettung des ehemaligen stillgelegten Leuchtfeuers „Oberfeuer Preußeneck“ in Eckwarderhörne. Mit LEADER-Mitteln und durch den Einsatz ehrenamtlich engagierter Menschen wurde das Wahrzeichen mitsamt Aussichtsplattform und Umbau des angrenzenden Maschinenhauses zum Infozentrum für Besucher erschlossen.
LEADER-Fördergeld floss ebenfalls in das Dorfgemeinschaftshaus Neustädter Hof. Das genossenschaftliche Projekt wurde 2016 beim bundesweiten Wettbewerb „Gemeinsam stark sein“ mit dem 2. Platz ausgezeichnet.
Dass sich die Liste erfolgreicher LEADER-Förderung noch deutlich länger weiterführen ließe, wurde nicht nur in der kurzweiligen Moderation durch Meike Lücke und Ilona Tetzlaff, der Ersten stellvertretenden Vorsitzenden der LAG, deutlich. Auch Antje Schlüter vom zuständigen Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz war zur Feier aus Hannover nach Ovelgönne gekommen. Sie lobte nicht nur das ungewöhnlich lange Durchhaltevermögen der örtlichen LAG, sondern auch niedersachsenweit einzigartige Projekte.
„In der Wesermarsch liegt das Paradies“, so Antje Schlüter. „Denn hier gibt es den Garten Eden. Mit einem Hörstuhl, den es nirgendwo anders gibt. Hier wurde bereits früh Weitblick bewiesen. Es gibt sogar einen LEADER-geförderten Aussichtsturm, der so heißt“.
Worin sich alle Anwesenden einig waren: Die Arbeit der LAG und des Regionalmanagements um Meike Lücke, Silvia Peters und Tatiana Shipilo ist ausgezeichnet. Doch erst die Vereine, Organisationen, Kommunen oder sonstige Akteure machen LEADER so besonders. Ihre Ideen sind es, die am Ende umgesetzt werden können und die das Leben in der Wesermarsch bereichern, wie Landrat Stephan Siefken hervorhob, der die Jubiläumsveranstaltung eröffnete: „LEADER benötigt Menschen, die Verantwortung übernehmen. Menschen, die Ideen entwickeln und andere dafür begeistern. Menschen, die Konzepte erarbeiten, Anträge stellen und Projekte anschließend mit Leben füllen.“
Auch der LAG-Vorsitzende Henning Kaars brachte seine Freude über die lebhafte LEADER-Familie mitsamt Eltern, Kindern und Kindeskindern zum Ausdruck: „Wir wollen, dass sich das noch lange so fortsetzt.“
Eine besondere Überraschung hielt der Abend für Meike Lücke bereit. Für ihre nun 20-jährige Arbeit und ihren Einsatz für LEADER und die Wesermarsch bekam sie nicht nur von Ilona Tetzlaff ein großes gerahmtes Bild überreicht, sondern auch den nicht enden wollenden Applaus der Anwesenden.
„Ich bin sehr glücklich, Teil dieser Erfolgsgeschichte sein zu dürfen“, bekundet Meike Lücke und richtet den Blick in die noch ungewisse Zukunft. Auf EU-Ebene gibt es Überlegungen, LEADER neu aufzustellen, wodurch die gezielte Förderung vor Ort auch aufgrund von gekürzten Fördermitteln so nicht mehr möglich wäre. „Wir müssen uns alle dafür einsetzen, dass das Projekt im erprobten und äußerst erfolgreichen Rahmen weiter bestehen bleibt. Die geplanten Änderungen würden einen tiefen Einschnitt bedeuten, wodurch etliche identitätsstiftende, engagierte Projekte nicht umgesetzt werden könnten.“
Für die LEADER-Familie der Wesermarsch wäre dies ein herber Rückschlag, hat man doch in der Vergangenheit gezeigt, was durch Ehrenamt und gezielter Förderung erreicht werden kann.

