Bevölkerungsschutz: Retter können jetzt auf Spezialfahrzeug des Landkreises zugreifen

Auf matschigen Wegen oder im schwer zugänglichen Gelände ist für übliche Rettungsfahrzeuge die Fahrt schnell beendet. Und auch die Bevölkerung kann nicht per Lautsprecherdurchsage vor Gefahren gewarnt werden, wenn es für Einsatzwagen kein Durchkommen mehr gibt. Der Landkreis Wesermarsch hat deshalb den Fuhrpark des Bevölkerungsschutzes verstärkt. Retter können jetzt auf ein sogenanntes UTV (Utility Terrain Vehicle) zugreifen – ein geländegängiges Spezialfahrzeug, das per Infrarot-Blinklicht auch aus der Luft geortet werden kann.

Die Beschaffung beruht auf Erkenntnissen aus dem LifeGRID-Projekt, das sich mit dem Schutz von hilfebedürftigen Menschen bei Überflutungen und einem längeren Stromausfall befasst. Mehrere Organisationen aus der Wesermarsch arbeiten an diesem mehrjährigen Projekt mit, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert wird. In diesem Zusammenhang wurde auch die verheerende Flut im Ahrtal beleuchtet. „Eine Lehre aus den schlimmen Ereignissen war, dass Rettungskräfte geländegängige Fahrzeuge benötigen“, erklärt Maren Groeneveld vom LifeGRID-Team. In der Wesermarsch könnte das neue Spezialfahrzeug beispielsweise im unwegsamen Deichvorland eingesetzt werden. „Erste Anfragen von Feuerwehren, die das UTV einsetzen wollen, liegen uns bereits vor“, sagt Christoph Güttler vom Referat für Brand- und Bevölkerungsschutz des Landkreises.

Rein optisch erinnert das UTV an ein Quad. Die Ausstattung macht jedoch den Unterschied vom privaten Spaß- zum professionellen Einsatzfahrzeug. Denn das UTV verfügt über eine Halteplattform für eine Schleifkorbtrage, um beispielsweise Personen aus schwerem Gelände zu retten. Durch einen pneumatischen Lichtmast mit einer Höhe von vier Metern lässt sich bei nächtlichen Einsätzen das Umfeld ausleuchten. Das Fahrzeug verfügt über eine kleine Pritsche für den Transport von Personen oder Material. „Natürlich ist das wendige Kraftpaket auch technisch für Lautsprecherdurchsagen ausgerüstet, die noch in rund 400 Metern Entfernung zu hören sind“, so Christoph Güttler.

Hergestellt wurde das UTV von der Firma REAKTIS mit Sitz in Westerstede. Die Beschaffung erfolgt aus Mitteln des LifeGRID-Projekts. Die Kosten belaufen sich auf rund 70.000 Euro.

Zuständig für den Betrieb des Fahrzeugs ist beim Landkreis das Referat für Brand- und Bevölkerungsschutz. Hilfs- und Rettungsorganisationen aus der Wesermarsch, die das Fahrzeug leihweise nutzen wollen, senden eine Anfrage per E-Mail an katstrophenschutz@wesermarsch.de.


LifeGRID
Das LifeGRID-Projekt ist im Oktober 2023 gestartet und endet am 30. September 2027. Ziel ist die Entwicklung von Maßnahmen und Notfallplänen zum Schutz von hilfs- und pflegebedürftigen Personen im Falle eines längeren Blackouts oder einer Überschwemmung. Zu den Vollpartnern gehören neben dem Landkreis Wesermarsch die Jade Hochschule, der DRK-Kreisverband Wesermarsch, das Institut für Gefahrenabwehr, der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband, die Großleitstelle Oldenburger Land und die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V. Informationen zum Projekt sind zu finden auf www.lifegrid.de.

Foto: Landkreis/Meister

Maximilian Keller und Andreas Schnitger von der Firma REAKTIS übergeben Maren Groeneveld (LifeGRID), Christoph Güttler, Rainer Zon (beide Referat Brand- und Bevölkerungsschutz) sowie Frederik Scholz (Schirrmeister Kreisfeuerwehr) das neue Einsatzfahrzeug.