Gilda Sahebi liest und diskutiert in der Stadtbücherei Nordenham

Das gute Wetter tat dem Interesse keinen Abbruch: Knapp 40 Teilnehmende kamen am Donnerstagabend in die Stadtbücherei Nordenham, um die Journalistin Gilda Sahebi aus ihrem Buch „Verbinden statt spalten“ lesen zu hören. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe des Landkreises Wesermarsch in Kooperation mit der Stadtbücherei Nordenham.

„Der Zuspruch, den wir bereits im Vorfeld erhalten haben und der uns auch weiterhin erreicht, zeigt, dass wir mit der Lesung einen Nerv getroffen haben“, berichtet Hannah Heldberg, Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe des Landkreises Wesermarsch. „Die ständigen Spaltungserzählungen, insbesondere zu Themen wie Migration und Integration, setzen den Menschen zu. Denn persönlich nehmen sie die Welt oft ganz anders wahr.“

Gelesen wurde in der Stadtbücherei Nordenham dann weniger. Stattdessen entstand recht schnell ein lebhaftes Gespräch darüber, wie Spaltungserzählungen entstehen und was ihnen entgegengesetzt werden kann. Das Publikum interessierte dabei insbesondere, wie man mit Menschen umgehen kann, die menschverachtende oder rassistische Äußerungen tätigen.

„Erzählungen schlagen Fakten“ erläutert Gilda Sahebi und bezieht sich dabei wieder auf ihr kürzlich erschienenes Buch. Es bringe oft mehr, als Antwort auf Hate-Speech und spaltende Erzählungen über Gefühle und Geschichten zu sprechen, als mit Fakten und Studien zu argumentieren.

Zudem dürfe man spaltenden Erzählungen nicht zu viel Raum geben. Im echten Leben gebe es viel mehr Verbindungen und Gemeinsamkeiten, als es den Anschein habe, erklärt Sahebi bereits zu Beginn ihrer Lesung. Dabei bezieht sich die Autorin auf Studien des Soziologen Steffen Mau. Sahebi habe selbst oft erlebt, wie Spaltungserzählungen instrumentalisiert werden, um Menschen gegeneinander aufzubringen und ein „Gut gegen Böse“ entstehen zu lassen. Um diesen Mythos aufzudecken, entschied sich die renommierte Journalistin, Politikwissenschaftlerin und Ärztin dazu, das Buch „Verbinden statt spalten“ zu schreiben. Es soll eine Antwort auf die Politik der Polarisierung sein und aufzeigen, was getan werden kann, um der Erzählung von Spaltung keinen Raum im eigenen Leben zu geben.

In Nordenham hat das funktioniert. Viele der Teilnehmenden gingen mit neuem Mut und neuen Impulsen aus der Veranstaltung. Nicht zuletzt deshalb, weil Gilda Sahebi am Ende noch einmal dazu ermutigte, zusammenzuhalten und sich demokratiefeindlichen Einstellungen nicht zu beugen: „Wir brauchen Verbindung so wie wir Nahrung brauchen“, resümierte Sahebi.

Foto: Landkreis/Heldberg

Gilda Sahebi und Hannah Sophie Heldberg (v. l.) auf dem Podium bei der Lesung am 18. Juni in der Stadtbücherei Nordenham.

Foto: Landkreis/Heldberg

 

Hannah Sophie Heldberg, Gilda Sahebi und Nicole Hoyer, stellvertretende Leiterin der Stadtbücherei Nordenham (v. l.)